Kinder- und Jugendarmut

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Das Thema „Kinder- und Jugendarmut“ ist uns wichtig. Über Gremien-, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit versuchen wir einen Beitrag zur Bekämpfung und Linderung der Folgen zu leisten.

Von Dezember 2023 bis März 2024 haben wir ein Fotoprojekt in Kooperation mit elf Einrichtungen und Verbänden durchgeführt. Bei diesem haben Kinder und Jugendliche Bilder, Kollagen und Texte zum Thema „Kinderarmut“ erstellt. Ihre Arbeiten bildeten die Basis für die inhaltliche Auseinandersetzung bei unserem Frühjahresempfang 2024. Die dort mit Politik und Verwaltung geführten Debatten haben einen nicht unerheblichen Teil dazu beigetragen, dass das Kommunale Handlungskonzept gegen Kinderarmut nun endlich einer grundlegenden Überprüfung unterzogen und überarbeitet wird. Die Arbeiten der Kinder und Jugendlichen haben wir in dieser Broschüre zusammengestellt. 

Neben der politischen Lobbyarbeit versuchen wir auch selbst einen Beitrag zur Linderung der Folgen von Kinder- und Jugenarmut zu leisten. Gemeinsam mit einigen unserer Mitgliedsverbände haben wir das Projekt „Next Gen Weststadt“ entwickelt. Bei diesem geht es um kostenlose Angebote für junge Menschen in der Weststadt – einem Stadtteil, der besonder stark von Armut betroffen ist.

Der Begriff „Armut“ wird oft mit Entwicklungsländern in Verbindung gebracht. Dabei geht es um „absolute Armut“ also Lebensumstände, in denen sich Menschen nicht ausreichend ernähren können, keine oder nur eine sehr unzureichende Unterkunft haben und die medizinische Grundversorgung nicht gegeben ist. In Deutschland gibt es diese Formen von Armut zwar auch, in der Regel bedeutet Armut hier jedoch vor allem, nicht dabei sein zu können, weil das Geld für die Klassenfahrt, den Eintritt ins Museum oder die neuen Sportschuhe nicht mehr reicht. Es heißt weniger Möglichkeiten, weniger Chancen und oftmals auch, arm zu bleiben, denn das Ausbrechen aus der Armutsfalle wird einem durch das gegenwärtige System stark erschwert.

In Braunschweig sind unterschiedliche Stadtteile unterschiedlich stark betroffen. Im Stadtteilgebiet Weststadt Nord lebt z.B. ein Anteil von 42,8% der unter 18jährigen in Bedarfsgemeinschaften nach dem SGB II (Bürgergeldbezug), gefolgt von der Weststadt Süd mit 35,6%. Hinzugerechnet werden müssen noch all jene Familien, die über der Anspruchsgrenze von Transferleistungen liegen, aber dennoch zu wenig Einkommen für eine angemessene Teilhabe zur Verfügung haben.

Offiziell wird Armut oft so definert: wer über weniger als 60 % des durchschnittlichen Nettoeinkommens verfügt, gilt als armutsgefährdet. Aufgrund der drastischen Preissteigerungen der letzten Jahre hat sich die Nettokaufkraft vieler Familien jedoch stark verringert. 60 % des mittleren Einkommens bedeutet heute viel weniger als noch vor einigen Jahren. Wer sich vor einigen Jahren schon fast nichts leisten konnte, kann es jetzt erst recht nicht mehr.